Was ist das Problem? - Wir haben die 400 ppm Schwelle geknackt!

    Die Energiesituation im Wandel
    In früheren Jahrhunderten war es selbstverständlich, dass der Energiebedarf aus natürlichen nachhaltigen Quellen gedeckt wurde. Dazu gehörte vor allem die Biomasse, aber auch Wasser- und Windkraft wurden genutzt, sobald die technischen Möglichkeiten dies erlaubten. In jedermanns Bewusstsein sind aus früheren Zeiten die Windmühlen, in denen Mehl gemahlen wurde, sowie in romantischer Erinnerung die wassergetriebenen Mühlen mit der schönen Müllerin. Auch wassergetriebene Schmiedehämmer waren keine Seltenheit. Das funktionierte, war aber mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Durch die exzessive Nutzung von Brennholz entstanden regional bereits damals Umweltschäden durch Abholzung von Wäldern.
    Der große Umbruch kam durch die regional starke Zunahme der Bevölkerung und den technischen Fortschritt bei der Erfindung der Dampfmaschine und der Elektrizitätserzeugung und -übertragung. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, brauchte man Primärenergie in konzentrierter Form und fand dies zunächst in der Verbrennung von Kohle und später von Öl und Erdgas.

    Die Nutzung fossiler Energieträger
    Die Art des Umganges mit diesen fossilen Energieträgern kann man in der Rückschau als den zweiten Sündenfall der Menschheit bezeichnen. Dabei fällt in der Rückschau besonders auf:
    •    Die über Jahrmillionen entstandenen Bodenschätze wurden im Wesentlichen zu den jeweiligen Förderkosten vermarktet. Nach einem wirklichen Wert (z.B. in Form von Substitutionskosten) wurde nicht gefragt.
    •    Schädigungen der Umwelt durch deren Verbrennung wurden allenfalls durch höhere Schornsteine regional ferngehalten, nicht aber in größerem Zusammenhang gesehen.
    •    Die weltweite Exploration wurde zu einem riesigen Geschäftszweig und die Nutzung hatte allemal Vorrang vor Umweltauswirkungen. Ein in Deutschland gravierendes Beispiel: Der Braunkohletagebau, der ganze Landschaften mit ihren Siedlungsstrukturen schwer beschädigte!
    •    Abbaurechte für fossile Energieträger wurden zu wichtigen Investment-Objekten ohne Rücksicht darauf, ob deren tatsächliche Nutzung jemals möglich sein würde.

    Wenn man sich nun noch fragt, welche Nationen und Regionen sind eigentlich in welchem Umfang verantwortlich für die globalen Emissionen, so gibt nachfolgende Grafik einen guten Überblick.
     
    Grafik: Climate Company®,
    Daten von Prof. Meinshausen und Universität Melbourn.



    Neues Denken ist gefragt

    Aufmerksame kritische Beobachter weisen seit geraumer Zeit darauf hin, dass dieser Weg der Energieversorgung keine Zukunft hat. Seit moderne Technik zur Verfügung steht, die regenerativen Energien auch in großem Maßstab zu nutzen, muss stattdessen eine völlig neue Zielrichtung eingeschlagen werden.
    Das „neue Denken“ beginnt mit einer globalen Betrachtung: Was stehen uns eigentlich für regenerative Ressourcen in welchen Mengen zur Verfügung?

     

    Grafik: Climate Company®, Daten Agentur für erneuerbare Energien

    Durch die Sonneneinstrahlung findet ein kontinuierlicher Energiestrom auf die Erde statt, dessen Größe das Mehrtausendfache des Weltenergieverbrauches beträgt.
    Die modernen technischen Möglichkeiten, insbesondere zur photovoltaischen Nutzung der  Sonneneinstrahlung  und zur großtechnischen Nutzung der Windenergie erlauben es, zu vergleichbaren Kosten die Energieversorgung sicherzustellen, ohne weiterhin fossile Energieträger zu benötigen. Denn nur ein geringer Anteil der eingestrahlten Energie muss „eingefangen“ werden. Weiterhin hilfreich sind die immensen Fortschritte bei der verlustarmen Energieübertragung und bei der Speicherung in Batterien.
    Natürlich gibt es Hindernisse bei der Umsetzung dieser Erkenntnisse. Diese sind vornehmlich dadurch gegeben,
    •    dass die Investitionen in Anlagen zur Nutzung der fossilen Energien sehr langfristig abgeschrieben werden (10 bis 20 Jahre);
    •    dass die in den Büchern der Energiekonzerne und von Fonds stehenden Werte für den Besitz von Nutzungsrechten beim Abbau von fossilen Rohstoffen dramatisch an Wert verlieren, wenn auf die Nutzung Erneuerbarer Energien erfolgreich umgestellt wird;
    •    dass die Manager und Fachleute und ganze Industriesegmente, die sich bislang auf die Nutzung von fossilen Energieträgern spezialisiert haben, ebenfalls ihren Wert verlieren, wenn sie nicht mehr gefragt sind.

    Diese Hindernisse sind sehr stark! Deshalb ist es so ein schwieriger Prozess, trotz der inzwischen nicht mehr zu leugnenden schädlichen Auswirkungen auf das globale Klimageschehen, vernünftige und zukunftsweisende Vorgehensweisen zu vereinbaren. Wenn genügend Zeit dafür vorhanden wäre, könnte so eine Umstellung im Verlauf von 100 Jahren ohne allzu viel Reibungsverluste stattfinden. Das Problem ist: Es ist gar keine Zeit vorhanden. Nur eine sofortige Umstellung – auch unter Inkaufnahme von Verlusten im Investitionsgüterbereich – kann die Erde noch vor unübersehbaren Schäden bewahren. Es ist evident, dass hier von vielen Seiten erhebliche Kompromisse eingegangen werden müssen, ehe eine vertragliche weltweite Einigung über ein gemeinsames Vorgehen erreicht werden kann.

    Woran lässt sich erkennen, dass die Uhr tickt?
    „Die Uhr tickt“ ist nicht nur eine Plattitüde, sondern lässt sich mathematisch und grafisch genauestens beweisen und aufzeigen.


    CO2-Gehalt in der Atmosphäre
    Die primären Merkmale sind gut darstellbar. Zum einen geht es um den CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Das Gas CO2 bewirkt eine Verminderung der Rückstrahlung von Erdwärme in den Weltraum und gilt als hauptverantwortlich für die Erderwärmung, wenn der Gehalt an CO2 in der Atmosphäre steigt.
    Es wurden Methoden entwickelt, um durch Messung des CO2-Gehaltes an vielen Stellen der Erde zu einem aussagekräftigen Mittelwert der Konzentration zu kommen. Die sich daraus ergebenden Werte sind im nachfolgenden Bild dargestellt.

     


    Grafik: Climate Company®, Daten Noaa Research

    Die schwarze, schwankende Linie stellt die durchschnittlichen monatlichen Werte dar, die über das Jahr gesehen einem typischen Auf und Ab folgen. 
    Abgesehen von den jahreszeitlichen Schwankungen zeigt die orange Jahreslinie jedoch einen erschreckend geraden Aufwärtstrend, bereinigt nur um die jahreszeitlich bedingten Schwankungen. Als die Grenze von 400 ppm im November 2015 erstmals durchbrochen wurde (Hochrechnung auf Basis der Oktoberdaten), waren die Experten von dieser Bestätigung ihrer pessimistischen Voraussagen alarmiert. Mit diesem jetzt erreichten Wert ist es nur noch zu 70% wahrscheinlich, dass das 2-Grad-Ziel erreicht werden wird (siehe auch weiter unten). 
    Es gilt als ausgemacht, dass ein Überschreiten der 450 ppm-Marke zu nicht mehr kontrollierbaren Auswirkungen führen wird. Kann der jetzige Trend nicht gestoppt werden, dann wäre dies allerdings schon in ca. 20 Jahren zu erwarten.

    Der Anstieg der mittleren Temperatur
    Ein weiteres primäres Merkmal ist der Anstieg der mittleren Temperatur  auf dem Globus. Die Bestimmung der mittleren Temperatur erfolgt nach Modellen, in die die Land- und Meeresoberflächentemperaturen einfließen. Übereinstimmung herrscht unter den Klima-Experten, dass ein Anstieg der mittleren Temperatur um mehr als 2 Grad Celsius zu schwer abschätzbaren Schädigungen der Klimasituation führen wird. Der Anstieg wird sich allerdings nur unter dieser 2-Grad-Marke halten lassen, wenn die 450 ppm-Marke eingehalten werden kann.

     - Um das Zwei-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % einzuhalten, dürfte die Treibhausgas-Konzentration nicht über 450 ppm steigen.
     - Um es mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 % einzuhalten, dürfte die Konzentration nicht über 400 ppm steigen.“ Quelle: Wikipedia

    Es wird daraus überdeutlich, dass nur eine Trendumkehr – vor allem durch drastische Einschränkung der Verbrennung fossiler Brennstoffe – die Klimasituation „retten“ kann. Ohne diese Trendumkehr, wären die 2 Grad Temperaturanstieg noch vor dem Ende des 21. Jahrhunderts erreicht!

    Die Klimagipfel der Welt gegen das Beharren auf alten Strukturen
    Aus vorgenannten Gründen wird auf allen Klimagipfeln seit Kyoto darum gerungen, dass die Vertreter der alten Strukturen die Beschlüsse nicht so verwässern können, dass überhaupt nur minimale Effekte beim Klimaschutz eintreten.
    Selbst das prinzipiell wirksame Instrument des CO2-Handels, das in der Europäischen Union im Jahre 2003 verbindlich eingeführt wurde, hat noch keinen deutlichen Effekt bewirkt, da infolge von Fehleinschätzungen das zur Verfügung stehende CO2-Budget viel zu groß war und somit der CO2-Preis sich im Markt viel zu niedrig einpendelte, um zu einer Investitionslenkung zu führen, die den CO2-Austoß gesenkt hätte.
    Vielmehr vermehrte der große Energieversorger RWE in den vergangenen Jahren sogar den Einsatz der klimaschädlichen Braunkohle, weil die geringen Kosten eines zusätzlichen Einkaufes von Emissionsrechten immer noch nicht den Vorteil der Nutzung von klimafreundlichem Erdgas aufgewogen hatten.
    Allerdings kann man inzwischen sagen, dass solche kurzsichtigen Handlungsweisen, die sich auch bei den Investitionen gezeigt haben, sich nachträglich als schädigend für diese Unternehmen erweisen, wie sich auch aus diesem Grunde an deren Aktienkursen erweist, die bereits teilweise einen drastischen Wertverlust signalisieren.

    Die sichtbaren Folgen des Klimawandels
    Für den Laien sind natürlich die sekundären Merkmale des Klimawandels viel einsichtiger und signifikanter. Ein besonders deutlich sichtbarer Effekt ist der Rückgang der Eismassen, die in den Gletschern weltweit vorhanden sind. So ist die Gletscherdicke in den letzten 60 Jahren kontinuierlich zurückgegangen und ist heute im Mittel um 14 Meter kleiner.

    Die Folgen sind auf längere Sicht dramatisch, weil das Abschmelzen von im Eis gespeichertem Wasser zu einem Ansteigen des Meeresspiegels führen muss! Viele – auch dicht besiedelte – Regionen der Erde, werden schon durch ein Ansteigen des Meeresspiegels um wenige Meter unbewohnbar. Die nächsten Flüchtlingsströme wären dann vorprogrammiert.
    Die Voraussagen zur Geschwindigkeit des zukünftigen Anstiegs sind noch sehr unterschiedlich, aber zeigen in jedem Fall, dass hier eine der gravierendsten sekundären Folgen des Klimawandels zu erwarten ist.
    Viele dicht besiedelte Küstenregionen wären betroffen. Solche in wohlhabenden Gebieten wie Holland gleichermaßen wie solche in den ärmsten Gebieten der Erde wie Bangladesch.
    Auch viele küstenferne Gebiete der Erde werden durch die Erwärmung betroffen sein. Die von Taifunen bedrohten Gebiete werden sich auf wesentlich heftigere Unwetter einstellen müssen, weil die aus dem Meer aufsteigende Energie entsprechend der Meereserwärmung zunimmt. Und diese geht mit der globalen Erwärmung zwangsläufig einher.

    Was bedeutet diese Entwicklung für Gesellschaft und Wirtschaft?
    So schwer es fällt, die Menschheit muss ihre Methoden der Energiebereitstellung ändern! Es muss ein Umschwenken von der Nutzung fossiler Rohstoffe zur Nutzung regenerativer Energien erfolgen! Zum Glück ist mit den heutigen technischen Kenntnissen und Verfahren dieses Umschwenken sowohl technisch als auch wirtschaftlich möglich. Man kann nur hoffen, dass die Verhandlungsergebnisse der Pariser Konferenz nun wirklich die erhoffte globale Wende bringen und diese vor allem auch umgesetzt werden.
    Die sich daraus ergebende Entwertung der bekannten Vorräte an konventionellen Energieträgern, die im Portfolio von Firmen und Fonds bislang einen signifikanten Wertanteil darstellen, wird gravierende Auswirkungen auf den Wert der entsprechenden Aktien oder Fondanteile haben! Hier wird sich zeigen, dass diejenigen, die sich zu lange der Erkenntnis der Notwendigkeit des Wandels verschlossen haben, die größten Verluste erleiden werden. Es wird Umstrukturierungen in Industrie und Gesellschaft geben, deren Umfang viele betroffene Länder noch gar nicht erahnen. Man denke nur an die Länder, die ihre Einnahmen im Wesentlichen aus dem Verkauf ihrer Bestände an Erdöl und Erdgas erzielen! So ist z.B. das Öl im Boden des Nahen und Mittleren Ostens nach bisherigeren Schätzungen so viel wert wie der gesamte Kapitalstock aller Unternehmen der Weltwirtschaft.
    Die neuen Strukturen werden sich erfahrungsgemäß schneller entwickeln, als sich die meisten heute vorstellen können, sobald die Kenntnis der oben dargestellten Umwelt-Fakten  Allgemeingut geworden ist. Die heute schnelle Verbreitung von Information wird dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.

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